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Der Schachblog von Ilja Schneider
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Same but different
Letzte Runden sind immer etwas schwierig: entweder geht es um nichts oder man kann noch auf- bzw. absteigen und ist dann entsprechend angespannt. Für uns traf ersteres zu und für unsere Gegner offenbar auch, obwohl sie auch als Tabellenletzter noch theoretische Chancen auf einen Nichtabstiegsplatz gehabt hätten. So aber bestand der Kampf aus etwas traurigen 5 Partien, wovon eine kampflose mal wieder aufgrund einer samstagabendlichen Krankmeldung auf unser Konto ging.Die Einzelergebnisse:
Rotation Pankow 4 - SF Berlin 1903 4 3,0 : 5,0
Olaf Schulz - Martin Kunze 1 : 0
Robert Mielke - Kai-Stephan Kussatz ½ : ½
Uwe Schicke - Wolfram Burckhardt 0 : 1
Wilfried Heymach - Abdelkerim Krichi + : -
Thomas Kettner - Dr. Karl Georg Haeusler ½ : ½
Brian Werner - Udo Lechtermann - : +
Knut Mueller-Bülow - Thorben Lindhauer - : +
Karsten Berndt - Mark Müller 0 : 1
Martin Kunze spielte mit Weiß zunächst einen Standardaufbau im Damengambit, gruppierte dann aber seine Figuren etwas unglücklich, nachdem Schwarz zu e6-e5 kam. So musste er eine Figur geben, nachdem der schwarze Druck am Königsflügel zu groß wurde, womit die Partie natürlich verloren war.
Kai Stephan Kussatz beging ebenfalls im klassischen Damengambit, allerdings auf der schwarzen Seite, einen für ihn ganz ungewöhnlichen Fehler. Er spielte das typische Entlastungsmotiv Sf6-e4, was aber in dieser konkreten Position schlicht einen Bauern verlor - entweder den h7 oder d5/e4. Kai Stephan entschloss sich für d5 und stellte sich auf eine schwierige Verteidigung ein. Sein Gegner tauschte munter alles ab und bald landete man in einem Turmendspiel, die ja bekanntlich remis sind. Zum Schluss gab es einen kleinen Aufruhr, als sein Gegner das Prinzip der dreimaligen Stellungswiederholung vom Schiedsrichter erklärt bekommen musste.
Im letzten Bericht hatte ich geschrieben: " Wolfram Burckhardt gewann wieder einmal scheinbar problemlos." Das Gleiche kann man auch für diese Runde sagen: in einer Isolanistruktur überspielte er seinen Gegner nicht nur scheinbar mühelos und gewann im Königsangriff Figur und Partie.
Georg Häusler misslang meiner Meinung nach als Weißer die Eröffnung etwas und sein Gegner erlangte im damenlosen Mittelspiel Raumvorteil und die leichter spielbare Stellung gegen Georgs Bauernschwächen. Aber nach und nach konnte Georg nicht nur ausgleichen, sondern schließlich Vorteil erreichen. Dabei kam er allerdings in hohe Zeitnot und ein taktisch kluges Remisangebot seines Gegners beendete diese Partie.
Ich selbst glich in der Vorstoßvariante in Caro-Kann mal wieder leicht aus und übernahm früh die Initiative. Im Gegensatz zur letzten Partie rochierte ich kurz, spielte aber trotzdem auf Königsangriff, nachdem Weiß den Springer f3 mit seinem g-Bauern zurückschlug, um keinen Bauernverlust zu erleiden. Weiß besetzte im Gegenzug für meinen Druck auf der h-Linie zwar die halboffene g-Linie, aber mit einer schönen Kombination konnte ich den Bauern g7 mit Schach einstehen lassen und gewann die Partie - allerdings nicht ohne vor der Kombination einen Verlustzug zu machen, den in beiderseitiger Zeitnot aber wohl nur Computer sehen.
Zur Saisonleistung
Martin Kunze hatte am ersten Brett eine durchwachsene Saison. Mit 3,5 / 8 gegen etwa gleichstarke Gegner blieb er etwas unter Soll. Er spielt ein positionelles Schach, aber immer sehr kämpferisch - frühe Remisen gibt es bei ihm kaum, wenn die Stellung noch irgendwas hergibt. Er spielt aber durchweg solide und kommende Saison reche ich wieder mit einem leichten Plus von ihm.
Alexander Bandow changierte zwischen der 3. und vierten Mannschaft und erzielte jeweils 2 / 3, womit er sich um etwa 20 DWZ-Punkte verbessert hat. Seine Remisquote von 0 % spricht für sich und so strapazieren seine Partien in der Regel die Nerven des Mannschaftsführers - meist aber mit gutem Ausgang und so hoffen wir sehr, dass er uns auch weiterhin für den ein oder anderen Einsatz als Edelreservist zur Verfügung steht.
Razvan Sebe war eine echte Verstärkung für die Mannschaft. Mit jeweils 3 Siegen und Remisen gegen äußerst starke Gegnerschaft war er ein echter Ruhepol in der Mannschaft und Sorgen waren bei ihm unbegründet - man denke nur an sein Remis mit Kiesekamp, der ihn in der Eröffnung eigentlich überspielte. Bedenkt man, dass alle Remisen aus einer Position der Stärke heraus erfolgten, kann man nur hoffen, dass er kommende Saison aus Luxemburg wieder den Weg zurück in eine richtige Stadt findet.
Daniel Butscher spielte wie immer überzeugendes Schach - er versteht doch einiges von dem Spiel und man merkt ihm den Spaß dabei richtig an. Bei seinen 2 / 3 verlor er heuer eine Partie, was ziemlich ungewöhnlich ist, aber dennoch für ein leichtes DWZ-Plus reichte. Die Mannschaft und ich würden uns jedenfalls sehr freuen, wenn er in der nächsten Spielzeit den Weg von Dresden nach Berlin noch häufiger finden würde.
Kai Stephan Kussatz ist vielleicht der solideste Spieler in der Mannschaft. Diese Saison etwa hat er gar keine Partie verloren, allerdings in der 4. Mannschaft auch keine gewonnen. Dies holte er in der 3. nach, womit er nach Spielen gegen durchweg ordentliche Gegnerschaft ebenfalls mit einem Gewinn von ca. 20 Punkten belohnt.
Marcus Delacor hatte eine durchwachsene Saison; bei seiner Art Schach gibt es immer eine gewisse erratische Komponente, seine allgegenwärtige Zeitnot tut ein Übriges. Wenn es gut läuft, kann er jeden schlagen, aber auch durch Zeitnot gut angelegte Partien noch verderben. Dieses Mal bewerte er mit 2 / 5 seine Leistung selbst am kritischsten, aber ich bin überzeugt, dass er nächste Saison wieder häufiger zuschlagen wird. Zudem hat man mit zwei Kleinkindern, einem unlängst Neugeborenen, wichtigere Dinge im Kopf als immer nur Schach.
Wolfram Burckhardt zeigte die beste Leistung in der Mannschaft. Mit 4,5 / 5 gegen einen Schnitt von etwas über 2000 erzielte er mit 2391 eine der höchsten Performances in Berlin. In der Regel überspielte er seine Gegner locker-leicht strategisch und landete dann einen finalen taktischen Schlag, wobei er mit Weiß noch überzeugender ist als mit Schwarz. Wenn wir viel Glück haben, ist er nächste Saison beruflich nicht so stark eingespannt und kann wieder öfter Punkte holen für uns.
Abdelkerim Krichi ist nach wie vor das taktische Monster und haut seine Gegner in möglichst scharfen Stellungen, die durchaus auch positionell anrüchig sein dürfen, einfach irgendwann um. Hoffentlich wird auch er kommende Saison wieder häufiger im Land sein und Zeit haben.
Georg Häusler hatte ebenfalls einen schweren Stand mit 1,5 / 4. Beruflich stark eingespannt, fehlt ihm manchmal die nötige Konzentration am Brett. Aber auch bei ihm denke ich, wenn er wieder etwas regelmäßiger spielt, dass sich auch die Erfolgserlebnisse wieder einstellen werden.
Felix Zesch erzielte gegen etwa gleichstarke Gegnerschaft mit 2,5 / 5 50 %. Dabei hatte er einige unerwartete Schwierigkeiten zu verzeichnen, die man bei seiner Souveränität und Spielverständnis gar nicht von ihm gewohnt ist. Vielleicht sollte er auch wieder etwas häufiger spielen, um solche Niederlagen zu vermeiden?!
Udo Lechtermann spielte recht spektakulär: nachdem er bisher zwar immer äußerst kämpferisch eingestellt war, die Partien dessen ungeachtet meist remis ausgingen, erlangte er diese Saison 2 / 4 mittels zweier Verluste und Siege. Nachdem er die beiden Auftaktspiele verlor, gelangen ihm 2 Siege en suite, was ebenfalls eine Premiere darstellt. So könnte es weitergehen und wenn er seine Drohung wahr macht und in der Sommerpause tatsächlich etwas für seine Eröffnungen tut, wird es dies zweifelsohne. Es ist auch ein schönes Gefühl, mal mit einer ordentlichen Stellung aus der Eröffnung zu kommen, Udo!
Für Thorben Lindhauer war es eine harte erste Saison in Berlin. Mit 1,5 / 5 musste er ordentlich Lehrgeld bezahlen. Aber das geht wohl den meisten Leuten so (mit 2,5 / 7 in meiner ersten Saison weiß ich, wovon ich rede) und da das grundlegende Spielverständnis da ist, wird er kommende Spielzeit zweifelsohne erfolgreicher abschneiden.
Peter Baranowsky war äußerst erfreut, dass er in seinem zweiten Einsatz für die 4. Mannschaft die Scharte seiner „Erstrundenniederlage" wieder auswetzen konnte und so bei 50 % landete. Zwar brachte ihm dies ein leichtes Minus ein, was er aber durch sein Ergebnis in der 5. mehr aus ausgleichen konnte - am de facto 1. Brett zeigt er sich seinen Gegnern mehr als gewachsen. Als große Kämpfernatur fehlt im manchmal etwas die Souveränität, gewonnene Stellungen auch tatsächlich zu gewinnen, sonst wäre sein Ergebnis noch besser ausgefallen. Ich bin optimistisch, dass sich das nächste Saison legen wird.
Wir haben den gleichen Tabellenplatz wie in der letzten Spielzeit erreicht, aber mit einem Mannschaftspunkt weniger trotz weniger kampfloser Verluste. Kommende Saison werden wir nach bisherigem Stand keine Abgänge zu verzeichnen haben. Mit etwas Glück und vielleicht noch 1-2 Spielern für die Spitzenbretter wollen wir dann wieder um den Aufstieg mitspielen und auch mal einen der „ganz Starken" oben schlagen - unerreichbar ist sicher keine Mannschaft für uns.
Autor: mm -- 28.4.2010 20:01:49
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